Mein Weg in die Politik

Manchmal entscheidet eine einzige Chance darüber, welchen Weg ein Leben nimmt.

Bei mir waren es sogar mehrere.

Als ich nach Deutschland kam, musste ich zunächst eine Sprache lernen, die ich noch nicht beherrschte: Deutsch. In der Schule war das eine große Herausforderung. Während andere Kinder schon selbstverständlich Texte lasen und Aufsätze schrieben, musste ich mir vieles erst Schritt für Schritt erarbeiten.

Nach der Grundschule stand deshalb eine Entscheidung an, die meinen weiteren Lebensweg entscheidend hätte prägen können: Hauptschule – oder Gesamtschule.

Doch Gesamtschulplätze waren damals knapp. Auf weit über 300 Bewerbungen kamen gerade einmal 120 Plätze. Ich hatte Glück. Ich bekam einen dieser Plätze.

Und damit bekam ich eine Chance, die mein Leben prägen sollte.

Eine Schule, die an Chancen glaubt

Die Gesamtschule gab mir etwas, das ich dringend brauchte: Zeit, Unterstützung und die Möglichkeit, mich zu entwickeln.

Ich konnte mich Schritt für Schritt verbessern. Das flexible Bildungsangebot eröffnete mir Wege, die an anderer Stelle vielleicht schon verschlossen gewesen wären. Aus einem Kind, das zunächst Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hatte, wurde schließlich ein Schüler, der an derselben Schule sein Abitur machte.

Lange Zeit war mir dabei gar nicht bewusst, dass diese Chance keineswegs selbstverständlich war. Bis ich mit 16 Jahren erfuhr, wer dafür politisch gekämpft hatte. Die SPD Neuss hatte die Gesamtschule gegen erheblichen Widerstand der CDU durchgesetzt.

Plötzlich wurde mir klar:

Diese Politik war nicht abstrakt. Sie hatte ganz konkret mit meinem Leben zu tun.

Sie hatte dafür gesorgt, dass ich nicht auf meinen Start festgelegt wurde. Dass meine ersten Schwierigkeiten nicht darüber entschieden, was aus mir werden konnte. Mit 15 Jahren trat ich deshalb der SPD bei.

Bildung ist für mich keine Theorie

Später erlebte ich noch einmal, wie unmittelbar Politik den eigenen Lebensweg beeinflussen kann. Während meines Studiums wurden die Studiengebühren abgeschafft. Wieder war es sozialdemokratische Bildungspolitik, die eine Hürde aus dem Weg räumte.

Und wieder wurde mir bewusst: Bildungschancen dürfen nicht davon abhängen, wie viel Geld die Eltern haben.

Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, wenn eine Gesellschaft einem Menschen eine Chance gibt. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn eine Tür offensteht, obwohl der eigene Start nicht perfekt war. Und ich weiß auch, was passiert, wenn jemand diese Tür tatsächlich durchschreiten kann.

Deshalb bin ich Sozialdemokrat

Seit knapp 22 Jahren bin ich überzeugter Sozialdemokrat.

Nicht, weil ich irgendwann ein politisches Programm gelesen und beschlossen habe, dass Sozialdemokratie eine gute Idee ist.

Sondern weil ich sie selbst erlebt habe.

Die sozialdemokratische Bildungspolitik hat meinen Lebensweg geprägt. Sie hat mir Chancen eröffnet, die ich ohne sie vielleicht nicht gehabt hätte.Heute möchte ich genau das zurückgeben.

Ich möchte, dass ein Kind nicht auf seine Herkunft, seine Sprache oder den Geldbeutel seiner Eltern reduziert wird. Ich möchte, dass jedes Kind die Chance bekommt, sich zu entwickeln – in einer kostenfreien Kita, in einer guten und gerechten Schule, während der Ausbildung und im Studium.

Denn ich glaube an ein einfaches Prinzip:

Nicht der Startpunkt eines Menschen darf darüber entscheiden, wie weit er kommt. Entscheidend muss sein, was in ihm steckt und welche Chancen wir ihm geben.

Ich hatte diese Chancen.

Deshalb mache ich Politik: damit andere sie auch bekommen.